Naturgemäße Waldwirtschaft

Die klassische Waldbewirtschaftung der vergangenen Jahrhunderte ist die des Altersklassenwaldes. Bei dieser Form der Waldbewirtschaftung, die noch heute vielerorts Anwendung findet, werden meist Reinbestände angepflanzt, die mit mehr oder weniger häufigen Pflegeeingriffen bis zu einem bestimmten Erntezeitpunkt bewirtschaftet werden. Dieser Zeitraum wird als Umtriebszeit bezeichnet. Am Ende dieses Zeitraums wird umgetrieben, also endgenutzt oder kahl geschlagen und das Gleiche beginnt von neuem.

Das klassische Wirtschaften im Altersklassenwald hat aber einige Nachteile:

  • Wir haben es dort mit plantagenartigen Waldbeständen mit nur wenigen Holzarten zu tun, die eher artenarm sind. Das macht den Wald anfällig für Sturm und Schädlinge und läßt außerdem wenig Alternativen auf dem Holzmarkt. Sollten die Hauptsortimente einmal weniger nachgefragt werden, steht man schlecht da.
  • Außerdem gibt es nach der Phase der Endnutzung immer eine Phase der Kultur und des Jungbestandes, in der keine Nutzung, sondern sogar kostenintensive Pflege stattfindet. Je nach Baumart kann dieser Zeitraum mehrere Jahrzehnte betragen. Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts begann ein allmähliches Umdenken, auch beeinflusst durch die großen Sturmereignisse. Dies führte dazu , dass man mehr auf naturgemäße Waldwirtschaft setzte, also auf stabilere Mischbestände. Die Entwicklung hin zu dauerwaldartigen Strukturen, das gezielte Fördern von Naturverjüngung und die Nutzung der natürlichen Automation sind Prozesse, die auf natürliche Weise stattfinden. All das kann sich der Bewirtschafter  zum Erreichen seiner waldbaulichen und wirtschaftlichen Ziele zu Nutzen machen. Auch diese Form der Waldbewirtschaftung hat Nachteile. Der Bewirtschafter muss hier über ein viel detaillierteres Fachwissen verfügen, als der in der Fichtenplantage. Die Holzernte ist schwieriger, bei der Vermarktung werden mehr Sortimente anfallen und die Wildbestände sollten angepasst sein.

Ob man sich für die eine oder die andere, oder vielleicht für eine Mischform entscheidet liegt in der Verantwortung des Waldeigentümers. Die Entscheidung kann, je nach Bestand, was auch nur ein geringer Teil des Gesamtbetriebes sein kann, unterschiedlich sein. Der Waldeigentümer sollte auf seinen Bewirtschafter einwirken, dass dieser für jeden einzelnen Bestand die Form der Bewirtschaftung wählt, die die waldbaulichen und somit auch die langfristig wirtschaftlichen Ziele des Eigentümers verfolgt.

Allgemein gilt aber: Wer gewohnheitsmäßig gegen die Natur arbeitet tut sich schwer. Jedes Geld, was man nicht erst ausgeben muss, braucht man auch nicht wieder hereinzuwirtschaften und nicht nur das, was man teuer bezahlt hat, sondern auch das, was die Natur kostenlos zur Verfügung stellt, ist auch etwas wert.

Außerdem gilt auch: Wer oft und starke Veränderungen im Wald bewirkt, arbeitet tendenziell gegen die Natur, was hohen Aufwand und Kosten verursacht. Irgendjemand profitiert von diesen Kosten – nur ist es nicht der Waldbesitzer.

Wenn im Winter eine Durchforstung durchgeführt wird und wenn man im darauffolgenden Sommer durch den Bestand läuft und man nicht den Eindruck hat, der Wald wäre lichter als zuvor, dann war der Eingriff ideal.

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